Freitag, 21. September 2012

Die Unschuld der Deutschen

Ein auf der Videoplattform Youtube veröffentlichtes Schmähvideo erhitzt offenbar die Gemüter.

Außenminister Westerwelle (FDP) verurteilte das nach seinen Worten "schändliche Video" und nannte es "unerträglich". Innenminister Friedrich (CSU) erklärte gegenüber dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel: "Dagegen muss man mit allen rechtlich zulässigen Mitteln vorgehen".

"Wir wollen keine Hassprediger in Deutschland haben", erklärte Westerwelle in der ARD-Sendung Bericht aus Berlin. Er habe das Innenministerium angewiesen, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen. "Wir in Deutschland werden keine solchen Leute einreisen lassen und werden (...) mit allen Möglichkeiten verhindern, dass solche Leute ihr Unwesen bei uns treiben können."

Das ausschnittsweise auf Youtube veröffentlichte Hassvideo aus den USA soll in zahlreichen Ländern Massenproteste* entfacht haben. Wie die Illustrierte Stern bekannt gab, wappnen sich die USA für einen dauerhaften Konflikt mit unvorhersehbaren Konsequenzen.

(Im Bild Charles Chaplin, das Bekenntnis der Reichsdeutschen zu ihrem Propheten beleidigend)

Einer Flut von Führerwitzen und anderen gegen weltanschauliche Bekenntnisse gerichteten Schmähungen setzte der Gesetzgeber den Paragraphen 166 des Strafgesetzbuchs entgegen:
StGB § 166 - Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen

(1) Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) eine im Inland bestehende Kirche oder andere Religionsgesellschaft oder Weltanschauungsvereinigung, ihre Einrichtungen oder Gebräuche in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.
An der Erstellung oder Verbreitung solcher Hassvideos beteiligte Ausländer erhalten aktuellen Berichten aus Berlin zufolge keine Visa mehr. Von einem Aufruf der Bundeskanzlerin, zukünftig nicht mehr bei Juden zu kaufen, ist bisher noch nichts bekannt. Die Kanzlerin legte die Prioritäten der Bundesregierung unmißverständlich offen: "Wir machen uns ja sonst zur Komiker-Nation"

Und das wollen wir ja schließlich nicht. Oder etwa doch? Vielleicht sind wir das aber auch längst. Wenn es nach diesem Hassprediger geht, wird uns das Lachen allerdings bald vergehen:



Soweit das dumme, primitive Schmähvideo des SWR, mit dem Rainald Becker offenbar zu beweisen versucht, dass man nicht mal besonders religiös sein muß, um sich nach dem Schuldumkehrprinzip in paranoiden Wahnvorstellungen von rechten Brandstiftern zu ergehen, und nach dem Vorbild Julius Streichers von Schmutz- und Schmähfilmen zu fabulieren.

* Die "Massenproteste" im Einzelnen:
NationDemonstrantenAnmerkungenQuelle
Ägypteneinige tausendÄgypten fordert Freilassung Omar Abdel-Rahmans, Regierung Morsi läßt wegen Diffamierung des Islam und Schädigung der ägyptischen Nation internationale Haftbefehle (Interpol Red Alerts) gegen an "Die Unschuld der Muslime" Beteiligte ausstellenEgypt Independent
AfghanistanhunderteWashington Post
Algerien60 DemonstrantenBikyamasr
Australienbis zu 500Anhänger Bin Ladens beschädigen Polizeifahrzeuge und verletzen PolizistenThe Daily Telegraph
Bahreinüber 2.000Schiiten protestieren im sunnitisch beherrschten Bahrein gegen USA und IsraelNewsday
Bangladeshetwa tausendKalifat gefordertYahoo News
Belgienmindestens 230230 FestnahmenHurriyet Daily News
DänemarkdutzendeHizb-ut-TahrirU-T San Diego
Frankreichetwa 250100 FestnahmenNew York Daily News
Großbritannien200 SalafistenSalafisten verbrennen Israel-Flagge, fordern Demokratieverbot bei Todestrafe, und kündigen die Eroberung Amerikas anThe Telegraph
Indieneinige hundertThe Times of India
Indonesienetwa 200Antisemitische ParolenNBC News
Irakeinige hundertMuqtada al-Sadr fordert Schließung der US-BotschaftReuters
Iraneinige StudentenProteste vor Schweizer Botschaft, Erhöhung des Kopfgelds auf Salman Rushdie um $500,000CNN
The Jerusalem Post
Israel50 DemonstrantenAnhänger Osama Bin Ladens fordern Israel unter islamische Herrschaft zu stellenMako
JemenhunderteDemonstranten versuchen in US-Botschaft einzudringen, mehrere ToteNew York Times
Jordanien1.600Salafisten protestieren unter Kriegsflagge des ProphetenNew York Post
Kanadaetwa hundertProteste gegen allerlei, Film nur NebenthemaCBC News
Kenia??Ahlul Bayt News Agency
Kuweitetwa 200NBC News
Libanonein MobSteinwürfe & Krawalle, Hardee's und Kentucky Fried Chicken Filialen in Brand gesetzt, mehrere Verletzte, Zusammenhang unklarHouston Chronicle
LibyenunbekanntKeine Proteste vor der US-Botschaft in Tripolis, der Botschafter kam in seinem Ausweichquartier in Bengasi ums LebenStiftung Pressetest
Malaysia30 DemonstrantenAhram Online
Malediven??BBC
Marokko500-600300 bis 400 friedliche Demonstranten in Casablanca, 200 randalierten in SaléAFP
MauretanientausendePapier ist geduldigAhlul Bayt News Agency
Niederlande30 DemonstrantenDutch News
Nigereinige hundertMob stürmte KircheBangkok Post
Nigeriazwei Grüppchen unbekannter GrößeNigeriansche Kleriker rieten abChicago Tribune
Pakistan10.000Demonstranten fordern Ultimatum, ein Toter durch Rauchvergiftung beim FlaggenverbrennenHerald Tribune
Palästinaeinige hundertParole: "Tod Amerika, Tod Israel"Hindustan Times
PhilippinenhunderteMindanao Examiner
Saudi-Arabienhunderte"March against McDonald's" (möglicherweise wurde Schweinefleisch in Hamburgern entdeckt)Youtube-Video
SingapurkeineGoogle sperrte VideoThe Straits Times
Somaliaknapp tausendPress TV
Sri Lanka??BBC
Sudanmehrere hundertAngriffe auf diverse Botschaften in KhartumAFP
Syrien200 DemonstrantenProteste vor verlassener US-Botschaft in DamaskusNewsday
Thailand-Demonstration angekündigt, US-Botschaft geschlossen, Demonstration ausgefallenWikipedia
TürkeihunderteRecep Tayyip Erdoğan fordert, Islamophobie als Verbrechen gegen die Menschlichkeit einzustufen und entsprechend zu ahndenHurriyet Daily News
Tunesien200 DemonstrantenLange Bärte und Roben, Steinwürfe, Flaggenverbrennung in Tunis, Slogan: "Obama, Obama, wir sind hier für den Sieg des Islam"The Irish Times
Vereinigte Arabische EmiratekeineVideo gesperrtGulf News


Es bleibt festzustellen, dass jene Kreise, die sich in der Vergangenheit willig daran beteiligten, Angriffskriege, mörderische Sanktionen, Massen- und Serienmorde im Interesse ihrer Bequemlichkeit und ihres beruflichen Fortkommens zu beschönigen, herbeizureden, zu unterstützen, mitzutragen, eilfertig auf einen Film abwälzen, was sich in der Welt zusammenbraut.

Kommentare:

  1. Chapeau das war ja eine richtige Fleißarbeit. Für Dich gibt es dafür 70 Jungfrauen!

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    1. Wollen's hoffen. Eine, die meine wundgetippten Finger salbt, würd mir aber schon vollauf genügen :)

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